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Abgeschnitten und noch zu kurz
24.04.2013

Falls der eine oder andere Leser in der Überschrift eine gewisse Logik vermißt, dann macht das nichts, denn es ist nur ein Satz, der nichts kostet. Ganz anders bei so mancher politischen und wirtschaftlichen Entscheidung, wie zum Beispiel dem Ausbau der Bahnstrecke Berlin-Dresden.

Die 197 km lange Strecke soll zunächst für eine Geschwindigkeit von 160 km/h ausgebaut werden, so daß die Fahrgäste nicht mehr 2 Stunden und 9 Minuten von Dresden nach Berlin oder umgekehrt unterwegs sind, sondern rund 35 Minuten weniger. Die Gesamtkosten dafür belaufen sich auf 200 Mill. Euro. So weit, so gut. Aber damit nicht genug. Denn nun ist beabsichtigt, die Strecke für 200 km/h Geschwindigkeit auszubauen. Das kostet "nur" schlappe 600 Mill. Euro zusätzlich!, also Gesamtkosten dann 800 Mill Euro, und bringt eine weitere Zeitersparnis von sage-und-schreibe ca. 8 Minuten. Darüber freut sich doch der Fahrgast ganz bestimmt. Vor allem der aus Berlin oder Dresden, denn andere gibt es dann nicht mehr, da für diesen Ausbau die 6 Haltepunkte auf der Strecke geschlossen werden. Aber wen interessiertīs. Denn dazwischen liegt offenbar nach landespolitischer Überzeugung eh nur grünes Umland für Haupt- und Großstädter. Ach, da wohnen noch welche, im "Wolfserwartungsland"? Oh ja, Herrschaften, da wohnen noch welche! Und sie sollen dafür, daß sie bei diesem unnötigen Prestigeobjekt auf der Strecke bleiben bzw. im wahrsten Sinne des Wortes abgekoppelt werden, noch fleißig mit bezahlen. Denn außer der Schließung der 6 Haltepunkte müssen auf der Strecke auch 21 Bahnübergänge geschlossen werden. Nehmen wir das Beispiel Rückersdorf. Dort gibt es einen Haltepunkt und drei Bahnübergänge. Während die 1.587 Einwohner dieser Gemeinde zukünftig den Zügen nur noch nachwinken können, dürfen sie sich doch immerhin an den Kosten für die notwendigen Straßenüberführungen und Straßenumverlegungen beteiligen. Ganz abgesehen von den Folgekosten sowie Lärmschutzanlagen und Naturschutzauflagen.

Auf den Punkt gebracht: Die wesentliche Verkürzung der Fahrzeit wird mit dem Ausbau für 200 Mill. Euro bereits erreicht. Aber 600 Mill. Euro mehr sollen es sein - für ein paar zusätzliche Minuten Zeiteinsparung und unter Benachteiligung der Lebensbedingungen und Infrastruktur des ländlichen Raumes. Die Logik gebietende Frage nach einem vernünftigen Verhältnis von Aufwand und Nutzen muß man da erst gar nicht stellen. Wenn man mit viel, sehr viel gutem Willen den entsprechenden Verantwortungsträgern weder unverschämte Anmaßung noch mangelnde Kompetenz unterstellen möchte, dann kann man nur mutmaßen, daß alle Übrigen an den Kosten beteiligten, nämlich Bahn, Bund und Land, nicht wissen, was sie mit dem Geld sonst anfangen sollen. Wenn dem so ist, können sie doch den Anteil der Gemeinden eigentlich auch noch tragen, denn diese möchten für die entstehenden Einschränkungen nicht auch noch zur Kasse gebeten werden.