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Auf Tournee
08.09.2017

Vorgestern hatte die deutsche Kanzlerin einen Auftritt in Finsterwalde. Zwar war ich nicht dort – denn es gibt durchaus Grenzen der Zumutbarkeit – aber ich habe mir das Gastspiel auf sputniknews angesehen. Einleitend meinte die Frau im zu kurzen Jäckchen, daß sie schon zwei Mal in dieser Stadt war und nahm – ganz volksnah – die Fingerchen zum Zählen, wobei sie erfrischend plauderte: „Mal war´s mehr am Nachmittag, mal ist es mehr abends, aber Finsterwalde gehört jetzt eigentlich zu meiner Tournee schon dazu.“ Ja, sie sagte Tournee. Und wie es so sein kann, bei einer öffentlichen Darbietung, mal kommt der Auftritt gut an, mal weniger gut. Diesmal zeigte sich das Publikum jedenfalls nicht sonderlich begeistert. Aber sie plapperte weiter, darüber was sie und ihre Partei „wollen“. Es waren lauter fromme Wünschlein, verpackt in die üblichen Textbausteine. Dann meinte sie noch bzgl. der nächsten vier Jahre: „... jeder und jeder auf dem Platz, sofern sie zuhören und nicht nur schreien, hat ja Vorstellungen davon.“ Wie kommt die Frau eigentlich darauf, es hätten nur diejenigen ein Vorstellungsvermögen, die ihr brav zuhören? Ach ja, vermutlich weil es einer besonders blühenden Fantasie bedarf, sich bei der Beibehaltung der jetzigen politischen Konstellationen eine positive Entwicklung vorzustellen. Jedenfalls ist anzunehmen, daß auch das übrige Publikum ein Vorstellungsvermögen besitzt, nur daß es wahrscheinlich andere Vorstellungen hat.

Auffallend bei dem ganzen Bla, Bla, Bla war lediglich, daß sowohl die Hauptakteurin als auch ihr männliches Ensemble, häufig die Worte Heimat und Tradition verwendeten: traditionsreiche Stadt, ihre Heimat, Traditionen leben können u.s.w., es gipfelte in dem Satz: „Jede Region, jede Stadt in Deutschland ist stolz auf ihre Geschichte, auf ihre Tradition...“ Da fragt man sich, woher kommt diese Erkenntnis? Denn das hört sich alles irgendwie nach deutscher Kultur an, aber gleichzeitig beschäftigt diese Regierung eine Integrationsbeauftragte, die festgestellt hat: „Eine spezifisch deutsche Kultur ist, jenseits der Sprache, schlicht nicht identifizierbar.” Nun, es kann natürlich schlicht so sein, daß die Integrationsbeauftragte, Aydan Özoguz, bisher keinen Kontakt zu deutscher Kultur hatte. Immerhin sind Hegel, Kant, Schelling, Adorno und Bloch nicht jedermanns Sache. Auch Hölderlin, Hebbel, Heine, Brentano, Klopstock und Tucholsky sagen nicht jedem zu. Ebenso wenig muß man Gemälde von Grünewald und Dürer oder Kompositionen von Bach oder Händel kennen. Doch selbst wenn bzw. besonders wenn man diese Namen noch nie gehört hat, dann sollte man den Ball besser flach halten. Ganz anders die Integrationsbeauftragte. Aber in WAS will sie jemanden „integrieren“, wenn sie entweder nicht den geringsten Dunst von deutscher Kultur hat oder diese einfach negiert. Sie würde ihr Amt selbst ad absurdum führen, bestünde da nicht der Verdacht, daß sie es – mangels eigener Integration – völlig falsch interpretiert. So ist sie denn auch der Meinung: „Einwanderern kann man keine Anpassung an eine vermeintlich tradierte Mehrheitskultur per se verordnen.” Bleibt also für eine vermeintliche Integrationsbeauftragte nur die Möglichkeit, der „vermeintlichen Mehrheitskultur“ die Anpassung an die Kultur der Einwanderer, die offenbar alles andere als nur vermeintlich ist, per se zu verordnen, oder worin sonst sollte sie ihre Aufgabe sehen? Wie gesagt, es bedarf einer besonders blühenden Fantasie, sich bei der Beibehaltung der jetzigen politischen Konstellationen eine positive Entwicklung dieses Landes vorzustellen.