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Offener Brief
24.06.2015

An
Dr. Angela Merkel
Bundeskanzleramt
- per E-Mail -
Gruhno, den 24. Juni 2015

Offener Brief

Sehr geehrte Frau Merkel!

Es fällt mir schwer diese Anrede zu benutzen, also betrachten Sie es bitte als reine Floskel. Dessen ungeachtet schreibe ich Ihnen in der Hoffnung, daß Sie diese Zeilen zur Kenntnis nehmen und darüber nachdenken. Zu den im Text vorkommenden Fragen erwarte ich nicht, daß Sie mir diese beantworten, ich erwarte überhaupt keine Antwort, sondern, daß Sie sich diese Fragen selbst stellen und sich diese selbst ehrlich beantworten.

Seit dem von den USA mit 5 Milliarden Dollar inszenierten Regimewechsel in Kiew hat sich die sicherheitspolitische Lage zwischen USA / Nato und der Russischen Föderation dramatisch zugespitzt. Wie Ihnen nicht entgangen sein dürfte, versucht der Westen auf Anweisung der USA, Rußland in die Enge zu treiben und zu einem Krieg zu provozieren. Mit welchen Mitteln, muß ich Ihnen sicher nicht näher erläutern. Es geht mir vielmehr darum, welche Funktion Sie in diesem perfiden und für alle womöglich tödlich endenden Spiel einnehmen. Ich glaube nicht, daß Sie sich dessen bewußt sind.

Warum eigentlich nicht? Fehlt es an der nötigen Reflexion, ist es blanke Hörigkeit oder sind Sie so erpressbar? Was treibt Sie dazu, den USA so weit in den Hintern zu kriechen, daß diese Sie vorn wieder auskotzen (bspw. NSA-Affäre und Nuland-Äußerung)? Welche Absolution und vor allem wofür? erhoffen Sie sich von Ihren „Dienstherren“ - und damit ist mitnichten die deutsche Bevölkerung gemeint, in deren Dienst! Sie aber tatsächlich stehen.

Apropos Absolution: Nach Ihrer früheren Kariere ist es sicherlich müßig, Sie (obwohl Sie in einem christlichen Haus aufgewachsen sind) danach zu fragen, ob Sie diesbezüglich keine Bedenken haben. Nun, wenn schon das nicht, so sollte doch wenigstens noch so etwas wie Gewissen und Verantwortungsbewußtsein in Ihnen vorhanden sein. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt. Doch Sie lassen sich willig vor den Kriegskarren der USA spannen. War Minsk II eine Win-Win-Strategie? Nein. Sie haben damit (ob wissentlich – was noch schlimmer wäre – oder nicht) lediglich die Zeit herausgeschunden, die der Westen brauchte, um das faschistische Oligarchen-Regime in Kiew aufzurüsten, nachdem dieses militärisch und politisch kläglich gescheitert ist. Ein Regime, mit Unterstützung der USA an die Macht geputscht, dessen Soldaten desertieren, weil sie im Donbass die eigene Bevölkerung töten sollen. Gibt Ihnen das wirklich nicht zu denken?

Frau Merkel, empfinden Sie tatsächlich keinen Funken Scham, wenn die Sanktionen gegen Rußland an das Minsk II Abkommen gekoppelt werden und Sie die Frechheit besitzen, Rußland ständig diesbezüglich zu „ermahnen“, während Kiew nicht einmal daran denkt, dieses Abkommen tatsächlich und in allen Punkten umzusetzen - wie man an entsprechenden Äußerungen unschwer erkennen kann. Wo bleibt der nachdrückliche Appell an Kiew? Wo bleiben entsprechende Konsequenzen. Warum gibt es keine Sanktionen gegen Kiew? Der Krieg wäre sofort beendet. Stattdessen pumpt die EU Milliarden in diesen Sumpf aus Korruption und Kriegsgelüsten. Glauben Sie tatsächlich, daß Sie damit zu einem friedlichen Ausgang beitragen – oder wie rechtfertigen Sie dieses Vorgehen, an dem Sie maßgeblich beteiligt sind, vor sich selbst?

Erwarten Sie allen Ernstes, daß Rußland stillhält, wenn es von USA und NATO wie von Geiern umkreist wird? Sehen Sie wirklich nicht, daß die USA wie ein tollwütiger Hund um sich beißen? Daß sie seit 70 Jahren ein Land nach dem anderen destabilisiert und einen Krieg nach dem anderen entfesselt haben. Kommen Ihnen wirklich keine Zweifel, wenn Sie sich mit solchen Kriegstreibern und mit ukrainischen Faschisten alliieren? Können Sie eigentlich noch ruhig schlafen? Ich hoffe nicht. Wenn Sie noch eine Spur Anstand besitzen, dann rudern Sie umgehend zurück.

Da Ihnen offensichtlich die nötige Bodenhaftung abhanden gekommen ist, werfen Sie doch ab und zu einen Blick in die Kommentarspalten unter den Propagandaartikeln der Presse - übrigens, auf solche Hetzerei könnte Goebbels stolz sein. Und dennoch: Die Indoktrinierung funktioniert nicht im gewünschten Maße, wie Sie mehrheitlich an den Kommentaren sehen können. Die Mehrheit des Volkes – für welches Sie Verantwortung tragen - will keinen Krieg mit Rußland. Es will nicht wie die Ukraine das Bauernopfer amerikanischer Großmachts- und Wirtschaftsinteressen sein. Und es ist IHRE verdammte Pflicht dafür zu sorgen, daß es das nicht wird.

Bei dieser Gelegenheit noch ein Rat, so von Frau zu Frau, tun Sie sich den Gefallen und vermeiden Sie es doch zukünftig von irgendwelchen Werten zu sprechen – es wirkt einfach nur lächerlich. Um welche „Werte“ es eigentlich geht und welche tatsächlichen Werte dafür mit Füßen getreten werden – das ist in diesem Konflikt nur zu deutlich geworden. Auf jeden Fall sollten Sie sich baldigst Gedanken darüber machen, welchen Platz Sie abschließend in der Geschichte einnehmen wollen, so es denn noch eine Geschichtsschreibung geben wird. Denn entweder Sie gehen als deutsche Kriegsführerin in die Annalen ein (mit wem Sie dann Seit' an Seit' schreiten würden überlasse ich Ihrer Phantasie) - oder Sie besinnen sich noch. Dafür ist es allerdings höchste Zeit !

Ich empfehle Ihnen darum das folgende Gedicht von Matthias Claudius als tägliches Morgen- und Abendgebet:

Kriegslied

's ist Krieg! s' ist Krieg! O Gottes Engel wehre, und rede du darein!
's ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!

Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen und blutig, bleich und blaß,
Die Geister der Erschlagenen zu mir kämen, und vor mir weinten, was?

Wenn wackre Männer, die sich Ehre suchten, verstümmelt und halbtot
Im Staub vor mir sich wälzten und mir fluchten in ihrer Todesnot?

Wenn tausend, tausend Väter, Mütter, Bräute, so glücklich vor dem Krieg,
Nun alle elend, alle arme Leute, wehklagten über mich?

Wenn Hunger, böse Seuch und ihre Nöten Freund, Freund und Feind ins Grab
Versammelten, und mir zur Ehre krähten von einer Leich herab?

Was hülf mir Kron und Land und Gold und Ehre? Die könnten mich nicht freun!
's ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein!


Ja, Frau Merkel, `s ist Krieg und mit Ihrem bisherigen Handeln tragen SIE mit Schuld daran. Nun bemühen Sie sich wenigstens darum, daß IHRE Mitschuld nicht ins Unermessliche wächst.

In diesem Sinne!
Sybille Schrey