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Zum Gedenken
23.10.2014

Vor dreißig Jahren, am 23. Oktober 1984, starb einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler - Oskar Werner. Er brillierte auf der Bühne in klassischen Rollen, als Rezitator, und in Filmen wie bspw. „Das Narrenschiff“, „In den Schuhen des Fischers“ und „Reise der Verdammten“. Der gebürtige Wiener faszinierte das Publikum mit seiner grandiosen Darstellung, dem unvergleichlichen Timbre seiner Stimme und der charismatischen Ausstrahlung seines eigenwilligen, kompromißlosen Wesens.

Anfang der 60er Jahre hatte er sich, bis auf ein paar eigene Inszenierungen, vom Theater mit der Begründung abgewandt: „Mein Theater ist tot“, denn „Wenn man sich ein Leben lang bemüht hat, für den Adel des Geistes und für die Qualität des Gefühls einzutreten, dann kann man also bei diesen Schändungen, die heute an den großen klassischen Meisterwerken gemacht werden, da kann man nicht mitmachen." Und nachdem er unzählige Filmangebote als „Verrat am künstlerischen Geschmack“ abgelehnt hatte, endete Mitte der 70er Jahre auch seine Filmkarriere.

In Erinnerung an Oskar Werner

In aller Vielfalt selbst zu sein, stellt sich in großen Werken dar.
Erst dann ist jedes Wort auch wahr.

Erglühend vor Leidenschaft im hellsten Bühnenlicht stehen
- und durch dunkelste Schatten gehen.

Letztlich die Kunst ergründen und zur Erkenntnis finden, ein Teil davon zu sein.

Zerrissen von dem Widerspruch, in und mit der Welt zu leben,
ohne sich ihr hinzugeben.

Empfindsamer sein als andere - Heimweh nach stiller Einsamkeit,
und wissen “der Weg ist Leid”.

Eine alte Seele haben, melancholische Heiterkeit, Sehnsucht nach einer anderen Zeit.

Beim Weine sitzen, die Gedanken vorüberziehen...
warten auf den Zug nach Wien.

Sein Verhältnis zu seiner Heimatstadt war zwiespältig. Ein Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof hatte er im Vorhinein mit der Bemerkung abgelehnt, er wolle nicht in „schlechter Gesellschaft“ sein. So wurde er in der Gemeinde Triesen im Fürstentum Liechtenstein beigesetzt, wohin er sich mehrere Jahre zurückgezogen hatte. 2004 befanden wir uns dort auf der Durchreise und besuchten sein Grab. Kurz darauf war im Internet zu lesen, daß, entsprechend der dortigen Friedhofsordnung, die Gräber nach 20 Jahren entfernt würden. Ein Triesener Einwohner teilte in einem Forum mit, daß es, trotz einiger Bemühungen das Grab des berühmten Schauspielers zu erhalten, vorgesehen sei, Oskar Werner zu exhumieren, einzuäschern und die Urne in ein Gemeinschaftsgrab einzulassen. Diese Absicht wurde von der Triesener Friedhofsverwaltung und der Tochter Werner´s bestätigt. Doch nachdem die bevorstehende Grabauflösung in der österreichischen Presse thematisiert worden war, hieß es, daß der entsprechende Friedhofsbereich „vorläufig“ erhalten bliebe. Vorläufig..., und danach?

Hinsichtlich einer Überführung berief man sich auf Werner´s Ablehnung eines Ehrengrabes. Allerdings ist der Verzicht auf ein Ehrengrab nicht unbedingt einer kategorischen Ablehnung gleichzusetzen, in Wien begraben zu werden. Immerhin befinden sich auf dem Zentralfriedhof zwei Familiengräber der Familien Zelta/Werner/Kastl, in denen auch seine Mutter und seine Großmutter beigesetzt sind. Das Nutzungsrecht dieser Gräber besteht auf Friedhofsdauer, so daß nach der Exhumierung eine unangetastete Totenruhe gewährleistet gewesen wäre. Doch nach dem Wunsch der Nachkommen, sollten seine sterblichen Überreste in Triesen verbleiben. Ob dies, wie verlautbart wurde, in seinem Sinne geschähe, blieb dahingestellt. Denn der Annahme, daß damit ein kurz vor seinem Tod bestandener Wunsch erfüllt würde, widerspricht die Tatsache, daß Oskar Werner in den letzten Jahren kaum noch familiären Kontakt hatte. Vielmehr begründete man die Entscheidung damit, daß er in früheren Jahren, in „testamentähnlichen“ Schriftstücken (wie es ein Triesener Freund Werner´s mir gegenüber formulierte), erwähnt hatte, in Triesen begraben sein zu wollen. Allerdings in einem eigenen Grab, denn für ein solches hatte er bereits zu Lebzeiten einen Grabstein aus demselben roten Marmor ausgewählt, aus dem auch der Fußboden des Wohnzimmers in seinem Liechtensteiner Haus bestand. Daß die angedachte Kremation und anschließende Beisetzung in einem Gemeinschaftsgrab in seinem Sinne sein sollte, war darum sehr zweifelhaft. Zudem unterliegen frühere Willensbekundungen im Laufe des Lebens oftmals einem Wandel der Empfindungen und Einstellungen. So hatte Oskar Werner seit Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts auch wieder überwiegend in Wien gelebt. Wie er in seinen letzten Lebensjahren, in denen er ein vom Alkohol gezeichneter und wohl zutiefst einsamer Mann gewesen ist, darüber gedacht haben mag, läßt sich also nicht sagen. Doch hört man sich die kurz vor seinem Tod aufgenommenen Wiener Lieder an, dann vernimmt man darin eine tiefe Verbundenheit zu seiner Heimatstadt.

Im Anschluß an die Diskussion vor zehn Jahren, war auf Wikipedia für kurze Zeit Folgendes zu lesen: „Laut Aussage des Gemeindevorstehers wird das Grab von Oskar Werner jedoch vorläufig nicht aufgelassen und in Zusammenarbeit mit seinen Kindern und der Gemeindevertretung nach einer – für alle akzeptablen – Lösung gesucht. Jedoch sollen auf ausdrücklichen Wunsch der hinterbliebenen Kinder keine weiteren Details der künftigen Ruhestätte von Oskar Werner mehr publiziert werden.“

2011 wurde sein Grab schließlich aufgelöst. Zur „bleibenden Erinnerung“ hat man eine kleine Gedenktafel im hinteren Bereich der Triesener Friedhofsmauer angebracht.

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