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„Und... dann... hau ich mit dem Hämmerchen…
24.02.2016

… mein Sparschwein kaputt!“ war im Jahre 1961 ein Schlager von Chris Howland. Damals hätte wohl niemand gedacht, daß 55 Jahre später die Abschaffung des Bargeldes forciert werden soll. Als erster Schritt in diese Richtung ist es beabsichtigt, eine Bargeldobergrenze von 5000,-€ einzuführen.

Begründet wird das Ganze mit dem Kampf gegen organisierte Kriminalität und – wie sollte es anders sein – gegen Terrorismus. Kaum erwähnt wird, daß es bereits seit 1993 ein Geldwäschegesetz gibt, welches bei Bargeschäften ab 15.000,-€ Händlern, Unternehmen, Banken u.s.w. eine erhöhte Sorgfaltspflicht vorschreibt. Das sollte eigentlich genügen, zumal man davon ausgehen kann, daß es sich weder bei organisierter Kriminalität noch bei Terrorismus um Beträge zwischen fünf- und fünfzehntausend Euro handeln dürfte. Folglich steht mit der geplanten Obergrenze lediglich eine Entmündigung des normalen Bürgers ins Haus. Wohlweislich wird darauf hingewiesen, daß in einigen anderen europäischen Ländern sogar eine noch niedrigere Obergrenze gegeben ist und eine Vereinheitlichung angestrebt wird. Dreimal darf man raten, wohin diese tendieren wird. Anvisiert ist die komplette Abschaffung des Bargeldes und ein ausschließlich digitaler Zahlungsverkehr.

Wie muß man sich das in der Praxis vorstellen? Nun, folgendermaßen: Frau XYZ macht mit ihren Freundinnen am Sonntag einen Tagesausflug nach Sanssouci. Der Eintritt ins Schloß wird mit Karte bezahlt (der Schloßrundgang fand demnach um 11.00 Uhr statt), am Nachmittag trinkt sie einen Kaffee (Kartenzahlung um 15.00 Uhr), vor der Abfahrt geht sie zur Toilette (Kartenzahlung um 16.30 Uhr). So macht Daten sammeln richtig Spaß! Ach ja, wann sie ihre Wohnung verließ und wann sie diese wieder betrat ist über ihr Smartphone zu erfahren.

Auch am Montag, als sie um 7.30 Uhr zum Joggen ging und um 8.30 zurück war. Woher man wissen kann, daß sie zum Joggen und nicht zum Einkaufen war? Na durch ihre Fitness-App zur „Selbstoptimierung“ - übrigens gibt es Bonuspunkte für´s Joggen, wohl nur eine Frage der Zeit bis es Strafpunkte für´s Nicht-Joggen gibt und zu diesem Zweck jeder zur Nutzung einer Fitness-App verpflichtet wird. Apropos „SELBSTOPTIMIERUNG“ - was für ein tolles! Wort, aber ein anderes Thema.

Also: Zum Einkauf war Frau XYZ erst um 11.00 Uhr nachweislich ihrer Geldkarte. Mit selbiger plus Smartphone und den entsprechenden Apps kann minutiös nachvollzogen werden wer, wann, wo, was getan hat. Übrigens, beim Abgleich des Einkaufs mit den Daten des Supermarktes stellt sich dann heraus, daß sie Fleisch gekauft hat, demnächst vermutlich eine kriminelle Handlung, zumindest wenn die Obergrenze der staatlich genehmigten Menge überschritten wird. Es droht Kartenentzug und vegetarische Zwangsernährung - zum Wohle der Bürger, des Klimas und des Schutzes vor Terror versteht sich. Zukunftsmusik á la Orwell.

So ist die Bevölkerung bis ins Detail kontrollierbar und steuerbar. Die Abschaffung des Bargeldes ist ein wesentlicher Schritt dazu. Dann ist es auch kein weiter Weg mehr bis zum implantierten Chip, mit welchem bezahlt, die gelaufenen Kilometer gezählt und übermittelt, die Tür geöffnet werden kann und, und, und… Und vor allem alle Daten auf einmal erfaßt werden – nur der Einfachheit halber und zum Besten der Bürger. Was diese natürlich einsehen, da es schließlich hin und wieder Probleme bei der Kartennutzung gab, bspw. weil die Karte beschädigt oder geklaut war. Und wegen einem leeren Smartphone-Akku mußte die Tür aufgebrochen werden. Wer will das schon. Auch muß man dann nicht mehr jedes Mal mit den Kindern, da sie ja noch keine eigene Geldkarte haben, mit zum Eisstand gehen. Mit dem Chip kann der Preis für´s Eis gleich vom Konto der Eltern abgebucht werden. Lauter praktische Erleichterungen also.

Und für solche „Erleichterungen“ ist der Bürger durchaus dankbar. Man schaue nur in das triumphierende Antlitz mancher Autofahrer, wenn sie ihr geparktes Fahrzeug aus drei Metern Entfernung mit dem Funkschlüssel öffnen können, oder mancher Kunden, die voller Verzückung ihre Geldkarte zücken, um damit im Geschäft 12,50 € zu bezahlen. Da sieht man den Stolz ob dieser Errungenschaften förmlich aus jeder Pore triefen. Dabei ist es nur eine Herde von Hammeln, die mit Begeisterung zur Schlachtbank rennt. Oder wie es Karl Kraus formulierte: „Was einen immer wieder verwundert, ist die Atonie dieser Zeit, die sich keinen Augenblick bewußt wird, daß all die gottlosen Erleichterungen, die ihr gegönnt sind, nichts als eine Entschädigung bedeuten. Sie scheint sich bei der Henkersmahlzeit besoffen zu haben“ Und ebenfalls Karl Kraus: „Das, und nur das ist der Inhalt unserer Kultur: die Rapidität, mit der uns die Dummheit in ihren Wirbel zieht.“

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