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Tourismus
31.10.2011

Friedersdorf So lautet das Zauberwort, mit dem man vielerorts in Brandenburg die Wirtschaft ankurbeln möchte, auch im Landkreis Elbe-Elster. Da gibt es z.B. das Projekt Kirchenstraße, zu welchem von Frau Dr. Stückrad aus Thüringen eine Machbarkeitsstudie erstellt wurde. Es geht darum, den spirituellen Tourismus zu fördern und die Studie schließt mit der Feststellung, daß das Projekt machbar! sei. Nun, daß es “machbar” ist, hätte ich aber auch so sagen können. Denn das ist es natürlich, sofern Kirchen da sind und Straßen, auf denen man zu diesen gelangen kann. ABER: es muß eben “gemacht” werden! Das heißt, es müssen die praktischen Voraussetzungen geschaffen werden und die entsprechende Vermarktung stattfinden. Darauf wird in der Studie natürlich auch hingewiesen, aber mit dem Hinweis ist es noch lange nicht getan. So ist von Gruppenreisenden keine Spur zu sehen und wenn der spirituelle Individualtourist auf die Kirchenstraße stößt, steht er überwiegend, wenn nicht gar ausschließlich, vor verschlossenen Kirchentüren - in den wenigsten Fällen findet er einen Aushang mit einer Anschrift oder Telefonnummer, an wen er sich denn zur Besichtigung wenden kann.

Ein anderes Beispiel: Im Mai 2010 wurde das Projekt zur kulturtouristischen Entwicklung im Landkreis Elbe-Elster begonnen, begleitet und unterstützt vom Verein für Innovative Qualifizierung e.V. (iq consult e.V.)aus Berlin. "Innovative Qualifizierung Consult", solche Namen begeistern mich immer wieder auf´s neue. Es fanden u.a. Diskussionen statt, wie Kulturpotentiale besser für den Tourismus zu erschließen seien, es “wurden Empfehlungen und touristische Angebote erarbeitet, die zur nachhaltigen Belebung der Region beitragen sollen” und “die in diesem Prozess entstandenen Vorschläge” und “angestrebten Zielvorstellungen” wurden im November 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Das ist nun fast ein Jahr her, aber eine “nachhaltige Belebung” bzw. ein Touristenboom ist mir im Landkreis Elbe-Elster bisher noch nicht aufgefallen.

Immer wieder werden kostenintensive Studien und Analysen etc. für Projekte in Auftrag gegeben und jedes Mal werden die Ergebnisse freudig verkündet und (hoch-) gelobt. Offenbar geht man davon aus, das sich der Erfolg damit ganz von selbst einstellt. Ein fataler Trugschluß! Denn ein wirtschaftlicher Erfolg ist damit nur den jeweiligen Beratern gesichert, sprich: mit Empfehlungen und Machbarkeitsstudien kann man Geld machen, praktischer Weise sogar ohne den Erfolg der Projekte gewährleisten zu müssen, denn dieser hängt natürlich davon ab, was man vor Ort daraus “macht”. Ein äußerst lukratives Geschäft, darum besteht an Projekten auch kein Mangel, aber immer noch an Touristen! Denn leider ist man scheinbar nicht in der Lage selbst entsprechende Konzepte zu entwickeln und das Geld besser dafür zu verwenden, diese wirksam umzusetzen. Da wird der Tourismus als Wirtschaftsfaktor wohl noch eine ganze Weile auf sich warten lassen.