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Ein getürkter Putsch?
18.07.2016

Ach Quatsch, ich wollte natürlich schreiben: ein türkischer Putsch. Stimmt auch nicht ganz. Ein versuchter Putsch in der Türkei, muß es natürlich heißen, und der fand am vergangenen Wochenende statt. Eigentlich hat das türkische Militär ja allerhand Erfahrungen in solchen Dingen, aber diesmal sind sie wirklich sehr dilettantisch vorgegangen. Man kann darüber spekulieren, warum es so war. Natürlich könnten die USA dahinter stecken. Zumal die USA hinter fast jedem Putsch stecken und sich die Türkei jüngst scheinbar wieder in Richtung der Russischen Föderation bewegt hat. Doch dann hätte Erdogan wohl das Schicksal von Hussein und Gaddafi ereilt. Hat es aber nicht.

Wie kommt es also, daß der Putschversuch binnen Stunden niedergeschlagen werden konnte? Und nicht nur das. Innerhalb von nicht mal 2 Tagen konnten sage und schreibe ca. 6.000 Putschverdächtige überführt und verhaftet werden. Mal ehrlich, in der Zeit bekommt man ja kaum die Namenslisten all derer getippt, also lagen diese wohl schon bereit. Jedenfalls eine verdammt schnelle Reaktion. Die Türkei muß umgehend in die EU, denn wenn wir europaweit so schnelle Ermittlungen hätten, würden Straftäter, wie bspw. in Köln, sofort überführt und verhaftet werden.

Wir können diesbezüglich durchaus guter Hoffnung sein, denn der türkische Staatschef ist auch in der Lage innerhalb kürzester Frist in Deutschland tausende Anhänger zu mobilisieren. Na wenn das nichts ist; die werden uns dann „zsur Zseite stehen, zsollte es zu einer Rede kommen“. Oder auch nicht.

Fest steht jedenfalls, daß Erdogan durch diesen Putschversuch seine Position ausbauen und unliebsame Kritiker ohne viel Federlesens beseitigen kann. Also ein Glücksfall für ihn, was er ja auch freimütig zugegeben hat. Es könnte eine geplante Inszenierung gewesen sein. Es könnte aber auch so sein, daß er von einem US-bestellten Putsch Wind bekommen und gut taktiert hat. Das wäre ein herber Schlag für die Amis, den sie mit Sicherheit nicht hinnehmen wollen. Der weitere Verlauf der Geschehnisse wird zeigen, was es mit dem Putschversuch auf sich hatte.

Bemerkenswert bei der ganzen Geschichte ist aber noch etwas anderes. Erdogan ist der gewählte, legitime Führer der Türkei. Die ihn angreifen sind demnach Putschisten und Staatsfeinde. USA, Nato und deren Anhängsel EU haben sich darum offiziell hinter Erdogan gestellt. Baschar Hafiz al-Assad ist gleichfalls der gewählte, legitime Führer Syriens, aber die ihn angreifen – und das sind nachweislich Terrororganisationen - sollen Freiheitskämpfer und was sonst noch alles für Helden sein. Auf alle Fälle sind sie die Guten und in dem Fall stellen sich die USA etc. natürlich hinter diese und nicht hinter den demokratisch gewählten Staatschef. Das nun wieder kommt daher, daß Assad das eigene Volk tyrannisieren und mit Fassbomben bewerfen soll. Beweise gibt es keine, aber es hört sich gut an. Wenn Erdogan die Kurden bekämpft, mit Terrororganisationen packtiert (aber da befindet er sich ja in „bester“ Gesellschaft) und Regimekritiker inhaftieren läßt, ist das eine völlig andere Geschichte. Schließlich ist die Türkei ein wichtiger NATO-Partner. NEIN, es käme doch niemand darauf, daß da bestimmte Interessen gegeben sind und andere Maßstäbe angelegt werden. Also wirklich! Es ist einfach so, daß der Westen naturgemäß immer weiß, wo die Guten sind, weil er natürlich selbst die Vollendung des „Guten“ ist.