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Es war einmal...
19.02.2014

... nein, nicht vor langer, langer Zeit, sondern erst neulich. Anfang Februar spazierte ein Wolf am helllichten Tag durch Cottbus-Merzdorf. Dabei weiß doch jeder Wolfsexperte, und davon gibt es neuerdings viele, daß Wölfe dämmerungs- und nachtaktiv sind und vor allem sehr menschenscheu. Darum ist der Wolf für den Menschen auch vollkommen ungefährlich - sagen die Wolfsexperten. Spaziergänger, Pilzsucher, Radfahrer, Jogger und sonstige Frischluftfreaks müssen also überhaupt keine Angst haben. Denn falls sie doch mal so einem scheuen Tier begegnen sollten, genügt es laut zu klatschen und zu schreien und der Wolf läuft wie wild davon, in der Regel jedenfalls - sagen die Wolfsexperten, und solange man ihm nicht zu nahe kommt.

Mit Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit soll, nach Maßgabe des Wolfsmanagementplanes des Landes Brandenburg, die Akzeptanz für die Rückkehr des Wolfes erhöht werden, um für ein “möglichst konfliktarmes Nebeneinander” von Mensch und Wolf zu sorgen. Das mit der Öffentlichkeitsarbeit (vermutlich KEINE Kostenfrage) scheint zu klappen, denn die Zahl der Wolfsexperten, Wolfsbotschafter, Wolfsfreunde und Willkommen-Wolf-Schreier (also selbige schreien nicht damit er wie wild davon läuft, sondern damit er kommt) nimmt ständig zu. Der Slogan lautet: „Wölfe managen statt jagen.„ Diese gewünschte und geförderte Einseitigkeit im Umgang mit dem Thema hat zur Folge, daß mittlerweile jeder, der vorsichtig zu bedenken gibt, daß es sich dennoch um Raubtiere und keine Schoßhündchen handelt, glaubhaft beteuern muß, daß er kein Tierhasser und nicht! für die totale Ausrottung des “scheuen Jägers auf leisen Pfoten” ist, wenn er nicht quasi unter “Beschuߔ geraten will. Damit ist ein Punkt des Planes schon mal erfüllt, aber wer bringt nun den Wölfen den Managementplan bei?

Denn in diesem steht unter Punkt 4.3.1 über die Gefährlichkeit von Wölfen: “Ängste vor Wölfen gehen auf zahlreiche Überlieferungen – darunter durchaus glaubwürdige und belegte – zurück, wonach Wölfe in früheren Zeiten wiederholt Menschen angegriffen, verletzt oder getötet und sogar gefressen haben. Auch in manchen Märchen wird der Wolf als gefährlich dargestellt. Deshalb nimmt die Sorge, dass Wölfe Menschen gefährden könnten, in der öffentlichen Diskussion einen breiten Raum ein. Besonders unter der Landbevölkerung sind diese Sorgen verbreitet. Andererseits gewöhnen sich die Menschen rasch an die Gegenwart von Wölfen.” Des weiteren: “Angriffe von Wölfen auf Menschen sind heute sehr selten. Die meisten Fälle lassen sich auf Tollwut oder Habituierung zurückführen.” Bei der Habituierung handelt es sich ebenfalls um Gewöhnung bzw. eine dadurch erlernte Verhaltensunterdrückung, in dem Fall die Unterdrückung der natürlichen Scheu, wenn sich bspw. eine Gefahr durch den Menschen für das Tier als nicht zutreffend erweist.

Nehmen wir das Beispiel von Cottbus-Merzdorf. Das sieht dann so aus: da kommt der Wolf nun zurück zu seinem Rudel und sagt: hey Leute, die Menschen sind gar nicht so gefährlich wie es uns unsere Vorfahren in den Märchen erzählt haben, die haben sich wahnsinnig gefreut mich zu sehen, morgen geh΄n wir alle hin!

So meint denn auch Torsten Reinwald, Sprecher des deutschen Jagdschutzverbandes, daß man sich auf den Wolf “einstellen” müsse, denn: “Er ist sehr anpassungsfähig, lernt schnell und hat einen ausgesprochen vielfältigen Speiseplan“ - upps … Aber keine Angst, die Wolfsbeauftragte der Landesjägerschaft, Britta Habbe, weiß ganz genau, daß weder Mensch noch Rind oder Pferd in das Beuteschema des Wolfes passen und ein Wolf gegen eine gesunde Kuh oder ein gesundes Pferd gar keine Chance hat. Hmm..., rein theoretisch dürfte aber ein bis zu 60 kg schweres Raubtier mit einer Beißkraft von 1,5 Tonnen, welches sich überwiegend von Rehen, Hirschen und Wildschweinen ernährt, keine Schwierigkeiten damit haben. Somit ist nicht auszuschließen, daß es sich durchaus noch daran gewöhnen könnte. Zwar beschränken sich die Wölfe momentan noch auf leichter zu erbeutende Schafe, Ziegen und Kälber, aber wenn die Konkurrenz zunimmt... In Brandenburg sind derzeit ca. 80-90 Wölfe beheimatet. Sie gehören zu einer deutsch-westpolnischen Population mit insgesamt ca. 450 Tieren. Die EU hat für einen guten Erhaltungszustand aller durch die FFH-Richtlinie geschützten Arten eine Mindestpopulationsgröße von 1.000 Tieren festgelegt. Ein aus durchschnittlich 7 Tieren bestehendes Rudel beansprucht ein rund 300 Quadratkilometer großes Revier. Das bedeutet - natürlich wieder rein theoretisch - bei einer Gesamtfläche von mehr als 29.000 Quadratkilometern des Landes Brandenburg (incl. Siedlungsflächen, denn Wölfe sind ja sehr anpassungsfähig) ist Platz für gut 95 Rudel mit insgesamt 665 Wölfen. Milchmädchenrechnung, ja, aber immerhin heißt es im Managementplan unter Punkt 5.3.1 zu den Maßnahmen im Bereich Wolfs-Management: “So lange sich die Population nicht in einem günstigen Erhaltungszustand befindet und keine Probleme auftreten, die anderweitig nicht zu lösen sind, scheiden jagdliche Eingriffe zur zahlenmäßigen oder räumlichen Steuerung der Wolfspopulation auf Grund der gegenwärtigen Rechtslage aus. Eine präventive Bestandskontrolle ist nicht statthaft.”

Wie sich bei zunehmender Populationsgröße in einer dicht besiedelten Region die Habituierung gegenüber dem Menschen entwickeln könnte ist nicht abzusehen. Aber es sind ja moderne Wölfe, die vermutlich im Supermarkt Hundefutter kaufen gehen. So ähnlich scheinen sich das all die Wolfsexperten der Disney-Film-Generation vorzustellen. Mit Respekt vor der Natur und ihren Lebewesen hat das allerdings nichts zu tun, sondern mit der dümmlichen Anmaßung des Menschen, alles auf dieser Welt sei nur zu seinem Vergnügen da und beherrschbar - Jurassic Park läßt grüßen. Stopp, stopp, stopp - so kann man das nicht sagen, schließlich ist im Managementplan unter Punkt 5.6 zum Abbau von Ängsten in der Bevölkerung festgelegt: “Auch wenn ein Angriff von Wölfen auf Menschen nicht gänzlich ausgeschlossen werden kann, so geht von ihnen in Mitteleuropa unter den heutigen Bedingungen keine Gefahr aus.” Ich finde der Satz entbehrt einer gewissen Stringenz.